Über eine Sache wundere ich mich.

Ich bin eine Rückendeckung. Und zwar eine mäßig gute. Besser gesagt, eine sauschlechte. Die Menschen, scheint´s, lieben mich trotzdem.

Ich stehe am Rand einer kreisrunden Fläche und bestehe aus einem Metallgeländer. Ich wirke nicht stabil. Hinter mir kann man tief runterfallen. Und da dahinter hängt eine große 360-Grad-Panorama-Kino-Leinwand, auf der ständig ein Naturfilm läuft. Da rührt sich was! Da knacken Eisfelder, schaut man aus der Adlerperspektive auf die Gipfel des Nationalparks Hohe Tauern, fährt man mit einem Boot auf einem schnellen Bergbach eine Klamm hinab. Bewegung und Wasser sind für meinen Job ebenfalls unvorteilhaft.

Vor mir auf der Fläche gibt es Stehplätze. Da stehen Leute und gucken den stimmungsvollen Panorama-Film an, der sich hinter mir abspielt. Die meisten Menschen lehnen sich an mich an oder rücken mir zumindest sehr nahe auf die Pelle. Auch wenn zum Schauen der bessere Platz näher in der Mitte ist – denn von dort hätte man einen besseren Rundumblick – können die Leute nicht ohne mich sein. Der freie Rücken gefällt ihnen wohl nicht. Mit mir im Rücken fühlen sie sich wahrscheinlich sicherer, auch wenn ich ziemlich mau bin. Den Leuten ist wahrscheinlich eine maue Rückendeckung lieber, als die Aussicht, den Film möglichst gut zu sehen.

Aber nein! Eine Frau verhält sich seltsam. Sie steht in der Mitte und dreht sich oft um die eigene Achse, um vom Film möglichst viel zu sehen. Aber die Frau ist eindeutig im Nachteil. Wahrscheinlich ist sie vom vermeintlichen Säbelzahntiger in ihrem ungeschützten Rücken so abgelenkt, dass sie den Film  fünf-mal anschauen muss, bevor sie ihn kapiert hat. Ich kann mir sonst nicht erklären, warum sie ihn so oft anschaut.

 

Ich bin sehr beliebt.

Ich, die Rückendeckung bin sehr beliebt, wenn die Leute auswärts unterwegs sind. Ich wundere mich allerdings, warum sie glauben, mich überall zu brauchen, bloß nicht zu Hause? Das ist wie verhext, kaum dass sie die Türe hinter sich zumachen. Plötzlich meinen die Menschen, ich sei überflüssig. Schade. Denn da bin ich sehr nützlich. Vor allem als Rückendeckung von Haus oder Wohnung helfe ich ihnen, ihre Träume zu verwirklichen. Bin ich nämlich zu Hause gut aufgestellt, stehen die Mit-BewohnerInnen hinter den TräumerInnen und ihren Ideen. Die TräumerInnen brauchen sich dann nicht anzuhören: „Das, was du dir vorstellst funktioniert nicht.“ Oder: „Davon kann man nicht leben.“ Oder: „Das haben schon andere versucht und sind gescheitert.“ Sondern sie hören: „Versuch es! Das wird schon! Ich unterstütze dich!“

 

Die Rückseite des Hauses oder der Wohnung.

Wo ihr mich für den Job der Unterstützerin zu Hause findet? Auf der dem energetischen Eingang gegenüberliegenden Seite des Hauses oder der Wohnung.

Und so schaue ich idealerweise aus: Ich bin eine feste Wand ohne Fenster oder Türen. Ich bin breitschultrig. Keine Musikanlage stört meine Ruhe und Konzentration. Perfekt ist es, wenn ich mir nicht ständig Wasserrauschen anhören muss, wenn sich also hier weder Bad noch Gästetoilette befinden. Auch mag ich es überhaupt nicht, wenn direkt vor mir ein Flur entlangführt. Vom Hin- und Herlaufen der Leute wird mir ganz schwindelig.

Wenn mir die Bedingungen gefallen, bin ich stark und könnte Bäume ausreißen. Aber das darf ich ja nicht. Denn dann wäre ich von meiner Aufgabe abgelenkt, den Menschen in jeder Beziehung den Rücken zu stärken, ihnen Halt zu geben.

(Übrigens: Ich freue mich auf euren Besuch. Ihr findet mich, die maue Rückendeckung, im Informationshaus vom Nationalpark Hohe Tauern in Mittersill in Österreich. Im Film meint man manchmal wie in einem 3-D-Film mittendrin zu stecken. Der Film ist berührend schön. Ich bin gespannt, wo ihr euch im Panoramafilm-Kino hinstellt. Also! Bis demnächst in diesem Kino.)

Jetzt würde mich noch interessieren, wo ihr euch auswärts hinsetzt oder hinstellt? Und wenn es nur beim Essen einer Fischsemmel ist?

 

Ein Gedanke zu “Über eine Sache wundere ich mich.

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