In Regensburg steht ein Wohn- und Geschäftshaus, Marke „grauer Betonklotz mit Flachdach“. In der DZ war es abgebildet. Zu lesen war, dass der Eigentümer, ein Maler, zusammen mit einem Freiburger Künstler ein gelb-rot-grün-violettes Farbkonzept für die Fassade entwickelt hat. Auch das war abgebildet. Nun hat die Fassade ihren nichtssagenden, trostlosen Anstrich verloren und erstrahlt in einem bunten Farbenkleid.
MieterInnen und KundInnen des Geschäfts freut`s. Aber den Herrn über das Bauen in Regensburg scheint es richtiggehend zu schmerzen. Er sagt, dass die Farbe das ästhetische Empfinden nicht nur beeinträchtigt, sondern sogar verletzt! Deshalb verlangt er, dass die Fassade wieder mit einer neutralen Farbe bepinselt wird. Er ergänzt seine Aufforderung um den Hinweis, dass Autofahrer durch das Gebäude nun so sehr abgelenkt würden, dass es öfter zu Unfällen kommen könnte.
Die verschiedenen Reaktionen zeigen, dass die gebaute Umwelt emotionale Reaktionen hervorruft, es eben nicht egal ist, wie etwas gebaut und gestaltet wird. Nun gibt es natürlich verschiedene Wege, wie man zur Farbe kommt. Ich bin dafür, (wie könnte es auch anders sein?) Feng Shui als Grundlage zu verwenden, denn dann kann man sich sicher sein, dass die Wandbemalung stimmig wirkt.
Übrigens sagt die Architektur-Psychologie, dass markante Merkmale in der Umgebung Fremden und Einheimischen die Orientierung erleichtern. Denken Sie nur daran, wie man Fremden den Weg erklärt. Ich mache das immer auch an markanten Punkten fest. Und auch wenn man die Gegend kennt, braucht man Landmarken, um sich an den Weg zu erinnern. Das klingt jetzt vielleicht nicht nachvollziehbar, aber tatsächlich trifft diese wissenschaftliche Erkenntnis zumindest auf mich zu. Wenn ich z. B. nach München – Bogenhausen fahre, dann erinnere ich mich an einer bestimmten Kreuzung an das hoch aufragende Arabella-Sheraton-Hotel. Und dann weiß ich, dass ich hier links abbiegen muss. Und weiter vorne gibt es einen kleinen Kiosk, an dem ich dann rechts abbiege. Fragen Sie mich lieber nicht nach den dazugehörigen Straßennamen. Da müsste ich passen. Auf Straßennamen achte ich nicht so richtig. Wie halten Sie es mit der Orientierung ?
Man hat festgestellt, dass das Fehlen von Orientierungspunkten Stress verursacht. Mir ginge das schon so, wenn irgend jemand in München plötzlich das genannte Hotel wegmachen würde. Da hätte ich viel mehr Stress mit der Suche nach der richtigen Abzweigung. Wenn ich bloß an diese Möglichkeit denke, beschleunigt sich mein Puls.
Orientierungspunkte sind nicht nur augenfällige Farben oder Gebäude, sondern alles, was anders ist als der Rest, irgendwie Abwechslung bietet. Das kann ein Kunstwerk genauso sein, wie eine Landschaftsform, die sich von der Umgebung abhebt. Wenn ich das mit Feng Shui vergleiche, dann sehe ich da eine Parallele zwischen Architektur-Psychologie und Feng Shui. Im Feng Shui begründet man die Notwendigkeit von herausragenden Merkmalen nur anders. Hier spricht man von etas, das die Energie hält. Die Orientierungspunkte dienen als Energiebremse bzw. -sammelstelle, denn sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, so dass sich der Blick nicht verliert und damit auch nicht die Energie. Schließlich folgt Energie der Aufmerksamkeit. Deshalb ist es wichtig, die Umgebung (z. B. Garten, Räume) ausgewogen und abwechslungsreich zu gestalten (z. B. unter den Aspekten Yinund Yang, 5 Elemente), um der Energie immer wieder Anlass zu geben, zu verweilen. Man lädt sozusagen die Energie ein, Halt zu machen und sich von dieser Haltestelle aus wieder zu verteilen.
Quelle: Deggendorfer Zeitung vom 14.05.2009, Nr. 110, S. 11
Schlagworte: Farbe, Hotel, Orientierung, Regensburg
4. Juni 2009 um 21:13 |
Bei mir ist es genau so, wie Sie es beschreiben. Es scheint hier also zwischen Männern und Frauen keinen großen Unterschied zu geben… Wenn ich mir eine Wegstrecke einprägen muss, orientiere ich mich auch an markanten Gebäuden oder unverwechselbaren Kreuzungen. Straßennamen sagen mir weniger etwas und ich bringe sie im Nachhinein, wenn ich keine Karte parat habe, auch immer wieder durcheinander.
Es soll ja Leute geben, die prägen sich einen Stadtplan wie ein Schachbrettmuster ein und merken sich Orte und Straßen auf Basis von Zahlen und Buchstaben. Das ist mir aber nichts… Orientierung ist für mich reines Bauchgefühl. Leider kann man sich nicht zu 100% in die Gefühlswelt anderer Menschen hineinversetzen. Es ist ja durchaus möglich, dass Menschen bestimmte Farben unterschiedlich wahrnehmen. Was für den einen auffällig unangenehm ist, ist für den anderen möglicherweise gänzlich nichtssagend.
Dies wird sicher nicht der Fall sein bei besonders kontrastreichen Kombinationen wie schwarz-weiß. Wenn es jedoch um rot-grün-violett geht, könnte es schon schwieriger werden. Sind nicht sogar 5% aller Menschen rot-grün-blind? (Auch in Anbetracht der nahenden Europaparlamentswahl… das war jetzt nicht politisch gemeint
) Für mich klingt diese Geschichte aus Regensburg eher nach erzkonservativen Ratsherren, für die jegliche Art von Veränderung eine Gefährdung ihrer Integrität darstellt.
Das ist definitiv keine Feng Shui freundliche Einstellung. Hier fließt wohl keine Energie, sondern es steht eher abgestandenes Wasser in den Köpfen. Vielleicht wollen die Herren über das Bauen aber auch einfach nur von dringenderen Problemen oder Fehlern ablenken… Ist das möglich so kurz vor der Wahl?
Viele Grüße aus Berlin
Long Wang
26. Juli 2009 um 22:21 |
[...] Feng-Shui-Blog Der Wohlfühl-Faktor für mehr Erfolg im Leben « Verursacht Farbe Unfälle? [...]
31. Juli 2009 um 10:04 |
Mir gehts genauso. Schlimm vor allem, wenn einem jemand den Weg erklärt und nur Straßennamen verwendet. Damit kann ich so gut wie nichts anfangen.
Was das bunte Haus angeht, muss ich sagen, dass ich auch ein bisschen erschrocken bin, als ich es zum ersten Mal gesehen habe. Und fast versucht war, auf die Bremse zu steigen. Es zieht die Blicke schon an. Was bei mir allerdings weniger am Muster als an der Farbauswahl lag. So starke Kontrastfarben springen mir einfach ins Auge, ebenso wie ein Haus, das auf meinem Nachhauseweg in einem Dorf in einer engen Kurve steht. Es wurde knallorange gestrichen. Und hat dazu tannengrüne Fensterläden. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, aber zu Anfang war ich froh, dass mir in der Kurve niemand entgegengekommen ist…
LG aus Regensburg,
Melanie