Ich wette, Sie haben das schon mal erlebt. Man soll eine bestimmte Arbeit erledigen und kommt einfach nicht in die Gänge. Es fallen einem tausend Dinge ein, die man schnell vorher noch erledigen könnten, von denen man sich nur zu gern ablenken lässt. Immer wieder schiebt man das Anfangen hinaus. Und dann ist man frustriert, weil man den ganzen Tag gewerkelt, aber kein vorzeigbares Ergebnis hat. Man fragt sich vielleicht: „Was habe ich eigentlich den ganzen Tag gemacht?“ Und mit jedem Tag, an dem man die Arbeit aufschiebt, nehmen Druck, schlechtes Gewissen, Schuldgefühle und vielleicht sogar die Angst, nicht mehr genügend Zeit für die Erledigung zu haben, zu.
Und so vergeht Tag um Tag, an dem man die wirklich wichtigen oder auch nur unangenehmen Angelegenheiten nicht in Angriff nimmt. Dabei gibt es eine relativ einfache Methode, sich selber zu motivieren: Die Sprache! Denken Sie einmal an so eine aufgeschobene Arbeit. Ich wette, diese Sätze beginnen mit: „Ich muss…“.
Und durch dieses „muss“ ist schon der Wurm drin, denn damit schalten wir automatisch auf Abwehr. Und wenn man sich gegen etwas wehrt, wird es anstrengend. Betrachten wir die Abwehr genauer. Ein Blick in das Duden Herkunftswörterbuch zeigt, dass Abwehr „sich wehren“ und „erfolgreich abwenden, vereiteln“ beinhaltet. Und sogar „warnen“ ist darin enthalten, also „sich vorsehen“! Man wehrt sich also gegen etwas, das man nicht will und versucht es zu vereiteln (den Anfang? das Ergebnis?). Das „muss“ bringt uns in eine „Achtung! Sieh dich vor“ – Position. Das alles hat irgendwie auch etwas mit Gefahr zu tun. Und wenn man glaubt, in Gefahr zu sein, richtet man seine ganze Aufmerksamkeit auf den bedrohlichen Zustand, um ihn erfolgreich abzuwehren. Was bleibt dann noch an Kraft und Energie für das Anfangen mit der Arbeit übrig? Genau! Ziemlich wenig. Jetzt könnte jemand sagen, dass von so einer lästigen Aufgabe mit Sicherheit keine Gefahr ausgeht. Das sagt Ihnen Ihr Verstand. Aber unser Gehirn arbeitet nun mal anders. Das klingt unglaublich? Glauben Sie mir einfach, dass es so ist. Soviel dazu.
Je nachdem, wie man etwas ausdrückt, verändert sich auch die Motivation, weil es sich anders anfühlt. Probieren wir es an zwei Beispielen aus. Lesen Sie die folgenden Texte aufmerksam durch und hören Sie in sich hinein, was sich wie anfühlt.
Privat-Beispiel: „Ich muss noch die Wohnung aufräumen und putzen.“ Und wie fühlt sich das im Vergleich dazu an? „Ich will eine saubere und aufgeräumte Wohnung, in der ich mich wohlfühle. In der die Energie frei fließt.
Was kann ich dafür tun?“
Business-Beispiel: „Ich muss den Bericht noch fertig machen.“ Und wie fühlt sich das im Vergleich dazu an? „Ich werde entsprechend der zeitlichen Möglichkeiten einen guten Bericht abliefern. Wie kann ich das erreichen?“
Was fühlt sich besser an? Ich wette, (heute bin ich scheinbar in Wettlaune), die zweite Äußerung. Wie kann man also eine „Muss“-Aufgabe in eine freundlich klingende, motivierende Aufgabe umformulieren? Es geht in drei Schritten: Man fasst erstens zuerst ein Ziel ins Auge und gibt sich dann zweitens auf die zielführende Frage, was man dafür tun kann, drittens eine Antwort. Und so landet man mit der Frage, was man für das Ziel tun kann, bei der Frage nach dem nächsten konkreten Schritt und damit schließt sich der Kreis zum System „Wie ich die Dinge geregelt kriege„.
Für den Fall, dass Sie es gleich ausprobieren wollen. Wie geht es Ihnen damit?
Schlagworte: Aufschieben
31. Juli 2009 um 10:08 |
Gute Idee! Das werde ich gleich mal umsetzen. Denn ich habe noch einiges vor, das ich vor dem Wochenende erledigen muss äh will,,,
2. August 2009 um 21:06 |
Hallo Melanie,
würdest du gelegentlich mal über deine Erfahrungen damit berichten?
Liebe Grüße,
Sonja
2. August 2009 um 23:28 |
Hallo Sonja,
sehr gern. Ich denke noch nicht immer dran, aber wenn, funktioniert es tatsächlich. Ich war zwar jetzt bei den unangenehmeren Sachen nicht übermotiviert, aber das positive Ziel hat es tatsächlich leichter gemacht. Ich bleibe dran. Und hoffe, es klappt künftig noch besser.
Liebe Grüße,
Melanie