Erfolgreich lernen am richtigen Platz

By Sonja

Die Fachhochschule Deggendorf erlebt regen Zuspruch und platzt deshalb aus allen Nähten. Was liegt da näher, als die Gunst der Stunde zu nutzen und auf dem freigewordenen Nachbargrundstück eine Erweiterung zu bauen? So weit, so gut. Nur…

Auf dem besagten Grundstück stand bisher der städtische Schlachthof. Der wurde wegen roter Zahlen, anderen Schwierigkeiten und neuer EU-Vorschriften vor Kurzem geschlossen. Das ist es aber nicht alleine, was mich nachdenklich stimmt.

Ich habe noch ein anderes Bild im Kopf: Ein LKW fährt auf den Schlachthof ein. Der LKW-Fahrer treibt die verängstigt brüllenden Lämmer, Kühe, Schweine und Pferde aus dem LKW in den Schlachthof. Der Metzger greift sich das erste quiekende Schwein. Er setzt den Schuss-Bolzen an und drückt ab. Das Tier zappelt und zittert ein letztes Mal. Die Reise endet hier für das Tier, wie könnte es anders sein, tödlich. Der Metzger nimmt ein Messer. Er schneidet dem Schwein den Hals auf. Blut strömt heraus. Das ist es also, was hier passiert: Schmerz, Leid, Angst, Blut, das in Strömen fließt, Todesschreie und Todeskampf.

Und dann fällt mir die Geschichte vom Palazzo Dario in Venedig ein: Die BesitzerInnen geraten auffällig oft in finanzielle Schwierigkeiten, sind in Skandale verwickelt und sie oder ihre Angehörigen sterben auffällig früh, nachdem sie den Palazzo gekauft haben.

Halten wir an dieser Stelle also mal die Parallelen fest: Schlachthof entspricht Schmerz und Tod auf der einen Seite (wie beim Palazzo Dario) und finanziellen Schwierigkeiten auf der anderen Seite (wie beim Palazzo Dario). Und halten wir an dieser Stelle auch noch mal fest: Auf diese Grundfesten baut die FH ihre Erweiterung.

Wie wird wohl die Zukunft der FH aussehen? Bisher war sie sehr erfolgreich. In den Hochschul-Rankings belege sie lt. DZ regelmäßig Plätze weit vorne. Vielleicht gibt es in Zukunft ja Unterschiede zwischen den Lehrstühlen? Zwischen denen im alten Gebäude gegenüber denen im neuen Gebäude? Oder vielleicht haben die Verantwortlichen klammheimlich eine Erdheilung machen lasssen? Oder vielleicht wird das alles ganz harmlos? In ein paar Jahren wissen wir mehr. Ich werde das im Auge behalten.

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4 Antworten zu „Erfolgreich lernen am richtigen Platz“

  1. Gerhard Zirkel sagt:

    Frag mal einen Schüler, was lernen mit dem Schicksal von Schweinen im Schlachthof zu tun haben könnte … :) Vielleicht ist der Platz ja gewollt?

    Gerhard Zirkel

  2. Long Wang sagt:

    In der Tat. Sicher gibt es da für den einen oder anderen Studenten schon jetzt, also im alten Gebäude, Parallelen. Eine nicht bestandene Klausur wirkt da unter Umständen wie ein „Bolzen-Schuss“ :)

    Was ich hier aber nicht so ganz verstehe… Kann man denn das Schicksal und das Leid von Tieren so einfach mit dem von Menschen in Verbindung bringen? Vor allen Dingen, wenn ein komplett neues Gebäude gebaut werden soll? Der Palazzo Dario hat sich als Gebäude ja über die Jahre kaum verändert. Hier könnte man also argumentieren, dass es sich um „Bad Feng Shui“ handelt. Aber ein Fleckchen Erde als „verflucht“ zu betrachten… hmmm.

    Gruselig finde ich die Vorstellung der vielen getöteten Tiere natürlich auch. Ich glaube jedoch nicht, dass in ein paar Jahren da überhaupt noch jemand nachdenkt. Schon gar nicht die jungen Leute…

    Viele Grüße aus Berlin
    Long Wang

    • Sonja sagt:

      Hallo Long Wang,

      ich betrachte dieses Gelände nicht als „verflucht“, sondern mit dieser besonderen Energie von Leid und Schmerz versehen. Ein Vergleich: Manchmal sagt man von Räumen, in denen kurz vorher gestritten wurde, dass das noch in der Luft hängt. So meine ich das, dass Schmerz und Leid als Energie noch in dem Gelände hängen. Außerdem arbeiteten in dem Schlachthof auch Menschen (z. B. Veterinärin, LKW-Fahrer – von denen weiß ich aus meiner Kindheit, dass die schon mal etwas kernig sein können, Metzger). Und ich glaube, dass man als MetzgerIn eine gewisse Kaltblütigkeit (Aggressivität?) mitringen muss, um ständig Tiere schlachten zu können. Also bringen diese Menschen auch Energie in das Gelände ein.

      Und wenn man sich dann dauernd in dieser Schwingung, die in das neue Gebäude miteinzieht, aufhält, kann ich mir schon vorstellen, dass man irgendwie von der Angst der Tiere und der (vermuteten) Aggressivität berührt wird. Unbewusst nimmt man das auf und tut alles dafür, um genau diese Gefühle zu erleben.

      Das Leid muss nicht dadurch entstehen, dass jemand kaltblütig abgestochen wird, sondern das können dann auch andere leidvolle Erfahrungen sein (nicht bestandene Prüfungen, Forschungsaufträge gehen den Bach hinunter, Streitereien, schwierige Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden…) Das Ganze könnte dann so aussehen, dass es angangs ganz fröhlich in dem Gebäude zugeht, im Laufe der Jahre sich aber zunehmend eine andere, eine unangenehme Schwingung in den Lehr- und Lernalltag einschleicht. Und irgendwann fragt man sich: „Wo ist die anfängliche Euphorie geblieben? Warum bleiben die Erfolge aus?

      Zum Palazzio Dario: Wer weiß schon, worauf der gebaut worden ist? Wer weiß, was da früher alles los war? Zur Zeit der Piraterie, Pest und Hexenverfolgung…? Vielleicht wurde genau an diesem Platz die „Hexe“ dem Gottesurteil übergeben?

      Herzliche Grüße nach Berlin!
      Sonja M. Berndl

  3. Long Wang sagt:

    Ja, das mit dem Palazzio Dario ist wirklich mysteriös. Ich habe mir erstmal die ganze Geschichte des Gebäudes bei Wikipedia durchgelesen… Dass dort so krasse Geschichten passiert sind, wusste ich noch gar nicht.

    Und dass Metzger im gewissen Maße kaltblütig sein müssen, würde ich auch sofort unterschreiben. Wir hatten früher bei uns auf im Dorf einen Metzgermeister, von dem es hieß, dass er seine Rottweiler immer mit frischen (noch warmen?) Schlachtabfällen fütterte. Eines Tages ist einer der beiden Hunde aus dem Zwinger ausgebrochen und hat auf der Straße sofort ein Kind angefallen und ihm das Gesicht zerbissen. Nahe stehende Passanten kamen sofort zur Hilfe geeilt und retteten sich und das Kind in einen nahen Hausflur. Der Rottweiler war so gallig, dass er an der Tür des Hausflures bellte und rammelte, bis die Polizei kam und ihn erschießen musste. Ich glaube ja, dass sich eine gewisse Aggressivität und auch Kaltblütigkeit von Mensch auf Tier (und vielleicht auch umgedreht) übertragen kann. Bei toten Tieren oder Menschen bin ich mir da aber nicht so sicher. Aber Sie haben recht, dass da noch was“ in der Luft hängt“, dieses Gefühl hatte jeder schon einmal.

    Beste Grüße
    Long Wang

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